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Nach dem im letzten Jahr ein 25- jaehriges Jubilaeum gefeiert werden konnte, ist am Freitag die 26. Auflage des internationalen Filmfestivals in Guadalajara eroeffnet wurden. Vielen in Deutschland oder auch anderswo ist dieses Festival gar nicht bekannt, obwohl das mit Abstand wichtigste Filmfestival in Mexiko und Lateinamerika ist. Neben dem klaren Schwerpunkt der Industrietreffen, gibt es eine gut gepflegte Auswahl an Filmen fuers Kino- interessierte Publikum. Dieses Jahr ist Israel Gastland und eroeffnete mit dem Film “El gerente de Recursos Humanos” von Eran Riklis das Festival. Zu dem gibt es, wie jedes Jahr, Hommages an verschiedene Kuenstler, wie die mexikanische Schauspielerin Diana Bracho, der mexikanische Filmkomponist Manuel Esperón und der deutsch- amerikanische Regisseur Werner Herzog. Letzterer kam nicht mit lehren Haenden, sondern hat 53 seiner Filme mitgebracht, so dass  dem Publikum wohl einer der komplettesten Retrospektiven ueberhaupt geboten wird.

Noch ein paar Zahlen, die die Bedeutung unterstreichen: Es werden 229 Filme gezeigt, von denen 173 Spielfilme sind. Es sind ueber 250 Regisseure anwesend und es gibt Filmvorfuerhungen auf oeffentlichen Plaetzen. Die Filme, die sich dem Wettbewerb stellen unterteilen sich in Fiktion aus Mexiko und Fiktion Iberoamerika, Dokumental Mexiko und Iberoamerika und Kurzfilme Mexiko und Iberoamerika und animierter Kurzfilm Mexiko. Ausserdem gibt es einen Markt fuer die Verwertung von Kurzfilmen (Short up), die Berlinale ist mit dem Talent Campus seit Jahren vertreten und in DocuLab werden neue Dokumentarfilmer geformt.

Das Festival ist jedes Jahr gewachsen und hat mehrere Direktore gesehen. Seit einigen Jahren macht das Festival in Morelia dem in Guadalajara Konkurenz und versucht seine Wichtigkeit zu  steigern. Das funktioniert vor allem darueber, dass mehr Prominenz eingeladen wird, was leichter ist, dank dem Kinobetreiber Cinepolis, der das Filmfestival in Morelia unterstuetzt.

Robert Rodriguez ist ja bekannt für seine makaberen Filme. Und irgendwie bleibt er sich seiner Linie treu. Zumindest ist Machete absoluter Höhepunkt dessen. Dazu stellt dieser Film auch noch eine Bearbeitung des immergleichen und komplizierten Verhältnisses zwischen US- Amerikanern und seinen mexikanischen Nachbarn dar. Der Plot ist relativ leicht erzählt. Machete, mexikanischer Ex- Bundesagent, muss in die USA fliehen, nachdem der Drogenmafiaboss Torrez (Steven Segal) seine Frau und Tochter umgebracht hat. Dort verdient er seinen Lebensunterhalt als typischer mexikanischer Tagelöhner. Dabei lernt er auch Luz, später dann She (gespielt von Michelle Rodriguez, die u.a. auch in Aavatar und der Serie Lost mitgespielt hat) kennen, die einen Taco- Stand betreibt, aber in Wirklichkeit Kopf des “Network” ist. Ein Netz aller Mexikaner, welches in allen Bereichen den Immigranten zur Seite steht und dann auch den Krieg gegen die rechten mexikofeindlichen Gringos aufnimmt. Eines Tages kommt dann Michael Booth (Jeff Fahey), ein Businessmann, der den Senator John McLaughlin (niemand geringeres denn Robert de Niro) bei seiner Wiederwahlkampagne unterstützt. Der möchte die Grenze komplett dicht machen, damit kein einziger Mexikaner mehr reinkommt. Das wird finanziert vom Drogenboss Torrez, der dadurch die Grenze alleine kontrollieren  und so die anderen Kartelle ausschalten möchte. Das Attentat entpuppt sich als Falle für Machete, denn Booth will nur die Popularität des Senators steigern, um seinen Wahlsieger sicher zu haben. Das klappt auch, aber der Versuch Machete zu töten schlägt fehl und das Blutbad beginnt. Unterstützt wird Machete schließlich auch von der Migrationspolizistin Sartana Rivera (Jessica Alba).

Ausgangspunkt des Filmes war ein Fake- Trailer Rodriguez in seinem letzten Film Plante Terror:

Anscheinend kam dieser so gut an, dass Rodriguez eine Schar von Stars abrufen und dann Danny Trejo seine erste Protagonistenrolle in einem Kinofilm geben konnte. M.e. sehr gelungener Film. Und der beste zur Thematik.

Das Verhältnis der US- Amerikaner zu seinem Nachbarn war noch nie wirklich gut. Doch die billige Arbeitsmasse die in den USA für wenig Geld alles tut hat sich bisher nicht wirklich gegen die eigene Diskrimierung gewehrt. Zuletzt war Arizona Mittelpunkt dieses Konfliktes, als dort verschäfte Mirationsgesetzte verabschiedet werden sollten. Rodriguez bringt hier die konkrete Antwort vollgepackt mit allen Klischees, die es auf beiden Seiten gibt. Das er dann noch Gringos Mexikaner spielen lässt, ist der absolute Oberwitz. Und über die Details nicht zu sprechen. Torrez nennt seine US- Partner stets Puñetitos (oder so ähnlich) was nichts anderes bedeutet als ein böses Wort für Schwule. Oder Agent Rivera trinkt ihren Tequila aus einer Flasche in Form einer Pistole. Nette Nebenrolle: Lindsay Lohan als Tochter von Booth. Wie anfangst erwähnt folgt Rodriguez seiner Linie, das ist gleichzeitig gut und schlecht, denn wenn er stets dasselbe macht, kann es irgendwann langweilig werden. Noch ist das nicht der Fall. Zum Glück. Und so warten wir gespannt auf Machete kills und Machete kills again. Welch Sarkasmus!

Bester Spruch im Film: El Padre sagt “Gott hat erbarmen, ich nicht!”

Auf nach Hawaii!

Wir leben in Zeiten von Remakes. Ich möcht gar nicht erst alles aufzählen. Filme, aber Serien werden aufgemotzt und in die Jetzt- Zeit transformiert. Das kann gut gehn. Aber auch richtig daneben. Ein, für mich, positives Exempell ist das Remake von Hawaii 5-0. Abgesehen vom ziemlich coolen Theme, das ich schon immer mochte, gibt es einen angemessenen Nachfolger von Jack Lord. Alex O’Loughlin ist der neue Steve McGarrett, der jetzt unter dem Schutzmantel einer Gouverneurin (Emanzipation lässt grüßen), für Recht und Ordnung, oder was man dafür hält, auf der Insel sorgt.

Der neue Chin Ho Kelly wird vom “Lost”- Star Daniel Dae Kim interpretiert, was m.E. eine gute Wahl war. Auch der neue Danny, jetzt “Danno” (Hallo Drehbuchschreiber: no go!), Scott Caan, macht eine gute Figur. Wobei auch die ständigen Sprüche von allen Seiten auf ihn eintreschen, weil er ja kein echter Hawaiianer ist. Auch witzig, das man sich darüber lustig macht, dass er Krawatte trägt (“Aber wir sind doch auf Hawaii!!”). Alles in allem aus absolut empfehlenswert! Schaut sie euch an. Keine Ahnung, ob die bereits in Deutschland im Fernsehen läuft. Hier in Mexiko schau ich sie mir auf einer extrem guten Seite (www.cuevana.com) an. Und wer etwas Englisch kann, dem ist mit dieser Seite relativ gut geholfen. Noch besser Spanisch! Ach und hier eine Preview:

Abgesehen davon, dass man meiner Ansicht nach doch zuviel nackte Haut sieht, was mir dermaßen nach Klischee schreit, kann sich das Ding sehen lassen. Denn in Sachen gender ist der Schnitt gar nicht so schlecht (Gouveurnerin, Kono ist jetzt Kona, etc.). Die Kritik ist auch recht gut, wie man auf Wikipedia nachlesen kann. Also anschauen!! Props out to Alex Kurtzmann und Robert Orci fürs Schreiben des Pilots. Und vielleicht schafft es ja CBS irgendwann an HBO anzuknüpfen, wobei dafür wohl eigene Ideen fehlen. Aber nobody´s perfect.

Gestern habe ich den zweiten Teil von Paranormal activity gesehen. Eigentlich wollte ich den neuen Film mit Downey Jr. sehen, aber leider war der Saal ausverkauft. Eine leichte Komödie wäre doch die bessere Wahl an einem Sonntag, aber es sollte wohl nicht sein. Schade! Also musste der Film her:

Vom ersten Teil war ich relativ nett überrascht. Für eine 10.000 Dollar- Produktion war er sehr gut gemacht bzw. der Einsatz der Kamera war intelligent gelöst. Dies wurde im zweiten Teil durch Überwachungskameras ergänzt. Die Begründung wurde relativ einfach geliefert. Ein Einbruch muss dafür herhalten, dass der Familienvater eine Sicherheitsfirma engagiert, die 6 Kameras mit Bewegungsmeldern ins Haus einbaut. Diese Kameras liefern dann auch immer in der gleichen Reihenfolge den Einstieg in den jeweiligen Tag. Positiv fiel die Belichtung des Films auf. Zumindest scheint es so, dass nur Lampen und Lichter der Umgebung, also kein zusätzliches Licht genutzt wurde. Dafür sind die Szenen gut sichtbar bzw. Schatten gut in Szene gesetzt.

Wundersamerweise ist die Frau die Schwester, der Frau aus dem ersten Film und man kann sich dann schon denken was jetzt kommt. Ohne die gesamte Handlung zu bringen, muss man feststellen, dass die Schreckmomente gut inszeniert sind und auch die Spannungskurve anhält. Man sitzt eine Zeit lang im Kino und hat Angst. Doch dann kommt das kurze knappe Ende, das einem die Sprache verschlägt, da es einfach nur billig ins Ende eingefügt wurde. Das Drehbuch (v.a. von Michael Perry) ist zu hastig geschrieben wurden. Irgendwie scheint die Story zu unsorgfältig in den ersten Film eingefügt. Da wurde wohl zu schnell an einen Nachfolgefilm gedacht, was man bei einem Einspielergebnis von an die 200 Mio. Dollar sicher niemandem verübeln kann. Trotz alle dem hätte ich vielleicht gerade deswegen mehr erwartet von jemandem wie Oren Peli. Aber anscheinend hat er sich da zuviel hineinreden lassen. Wollen wir nur hoffen, dass das beim nächsten Film von ihm besser wird und er etwas sorgfältiger ist. Zum Glück scheint kein dritter Teil vorgesehen, da das Ende so gebaut ist, dass niemand überlebt und damit definitiv nichts mehr passieren kann. Wenn doch dann muss schon tief in die Trickkiste gegriffen werden. Nur zu hoffen, dass uns das erspart bleibt.

Wenn man in der europäischen Hemisphäre an Mexiko denkt, dann fallen einem neben Tequila und Mariachis sofort Pancho Villa und Emilio Zapata ein.

Ganz platt und oberflächlich gesehen ist Mexiko vom modernen Gründungsmythos her also eher links einzuordnen. Grund dafür ist vor allem die mexikanische Revolution, die 2010 ihren hundertsten Jahrestag feiert (die Unabhängigkeit, vor 200 Jahren, war eher bürgerlich). Dank Emilio Zapata und auch ein bisschen dank Pancho Villa hat die Revolution einen gewissen linken “Helden”- Mythos. Dazu kommen die Ziele der mexikanischen Revolution, wie “Tierra y Libertad” (Land und Freiheit), die auf die Verteilung von Land und die Rechte der Landbevölkerung abzielten. Es sollte nicht vergessen werden, dass Mexiko, obwohl heute eines der urbanisierten Länder der Welt, zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein Agrarland war. Die wirkliche Verstädterung setzte erst in den 1940er Jahren ein.

Kleine Revolutionsgeschichte

Der eigentliche Vater der mexikanischen Revolution Francisco Ignacio Madero wurde während seiner Präsidentschaft vor allem entmachtet, weil er keine Landreform durchführte und weil er auf die alten Machtstrukturen baute. Zapata und Villa wurden wenig später feige ermordet, während des Machtkampfes zwischen Venustiano Carranza und Alvaró Obregón aus. Die Unterstützung Obregóns war schließlich Auslöser des Carranza- Regimes Zapata umzubringen. 1920 wurde Carranza während seiner Flucht erschossen und Obregón konnte sich als neuer Präsident durchsetzen. Unter Obregón begann eine Stabilisierung des Landes und führte 1924 zur Wahl von Plutarco Elías Calles als neuen Präsidenten. Dieser ermöglichte die Gründung einer unabhängigen mexikanischen Staatskirche. Obwohl nur bis 1928 offiziell im Amt, bestimmte Calles die mexikanische Politik (als jefe máximo) bis 1935 hinein. Wobei nun mit dem ersten offiziellen postrevolutionären Präsidenten Lázaro Cárdenas eine wirklich “linker” Präsident an die Macht kam. Dieser verstaatlichte die Ölindustrie, setzte die sozialistische Bildungspolitik seines Interimsvorgänger fort und begann ein staatliches Gesundheitssystem aufzubauen. Sein Nachfolger Avila Camacho konnte auch noch als linker Präsident im Koordinatensystem der sich entwickelten Staatspartei PRI – Partei de institutionalisierten Revolution (damals noch PRM) verortet werden. Trotz allem war die PRI von Beginn an eher eine Partei für die Machterhaltung und hatte linke und rechte Strömung vereint. Kein Wunder also, dass sie eher als eine sozialdemokratische Partei verstanden wurde und so auch in der Sozialistischen Internationalen ihren Platz fand, Seit an Seit mit der SPD.

In dieser Zeit bildete sich auch die Oppositionspartei PAN (Partei der nationalen Aktion), als Zusammenschluss von Unternehmern, Kirchenvertretern und anderen konservativen Kräften gegen die sozialistisch- angehauchte Politik von Cárdenas und Camacho.

So war es auch später nicht verwunderlich, dass unter Präsident Miguel Alemán die, jetzt auch so genannte, PRI sich verfestigte und zur dictadura suave (Softe Diktatur) ausgebaut wurde. Unter ihm wurde die Korruption verfestigt und ein Abkommen zwischen Kapital und Macht geschaffen, ganz nebenbei wandelt er sich nach der Wahl zum Proyanqui. Vor allem linke Kräfte waren ziemlich verärgert über Alemán, der auch die Unterstützung der kommunistischen Partei Mexikos für seine Präsidentschaftswahl hatte. Dieses Nepotismus- Netz zieht sich dann durch die Jahrzehnte. In den 60er Jahren wird dann der gesellschaftliche Öffnungsversuch der Studentenbewegung blutig niedergeschlagen. Linke, die nicht ermordet wurden, werden ins Gefängnis gesperrt oder flüchten in den Norden in die Wüste oder in den Süden in die Berge. Dort bilden sich dann über die Jahrzehnte Guerillabewegungen. Ein Ergebnis davon wird später die, auch in Europa bekannte, EZLN (Zapatistisch- nationale Befreiungsarmee) im Bundesstaat Chiapas sein.

Linke formiert sich in Basisorganisationen

Im September des Jahres 1985 bebt in Mexiko- Stadt die Erde. Und zerstört vornehmlich im Zentrum und anderen Vierteln der Mittel- und Unterschicht die komplette Infrastruktur und Häuser. Bei den Aufräum- und Sucharbeiten offenbarte sich die absolute Unfähigkeit der mexikanischen PRI- Regierung wirksam und zeitnah zu helfen. Auf dem Zwang der Eigeninitiative bildete sich eine neue Zivilgesellschaft heraus. In den Stadtteilen wurden sogenannte Opferorganisationen gegründet, die oft auch von kommunistischen oder sozialistischen Kadern (z.B. der PCM- Partido Comunista de Mexico) unterstützt wurden heraus, welche Erste Hilfe gaben, Verschütte bargen und anschließend gemeinsam ihr Viertel wieder herrichteten. Von Vorteil waren auch die Erfahrungen in Landbesetzungen, die im Laufe der 1970er Jahre an Bedeutung gewannen, um sich in der Hauptstadt Bauland zu erschließen (1980 gründete sich die Dachorganisation CONAMUP- Coordinadora Nacional del Movimiento Urbano Popular). Es bildeten sich nationale Strukturen (CUD- Coordinadora Unica de Damnificados) und ein Verbund aus diesen und anderen zivilgesellschaftlichen Organisationen vereinigten sich zur „Demokratisch- nationalen Front“ (FDN- Frente Democrática Nacional) und einigten sich auf einen gemeinsamen Präsidentschaftskandidaten Cuauhtémoc Cárdenas (Sohn des ehemaligen Präsidenten Lázaro Cárdenas) im Jahr 1988 . Hilfreich hierbei war vor allem die Erfahrung der Selbstorganisation im Wiederaufbau und der sich dort entwickelten demokratischen Entscheidungsstrukturen (z.B. Basisdemokratie). In der Wahlnacht 1988 zeichnete sich ein Sieg für den linken Kandidaten Cuauhtémoc Cárdenas ab, dann wurden, offiziell aus technischen Gründen, die Wahlcomputer kurz abgeschaltet. Als sie wieder ansprangen war der neoliberale Carlos Salinas de Gortari, der dann den Ausverkauf Mexikos zur Spitze trieb (dank ihm ist der heute reichste Mensch der Welt ein Mann mit dem Namen Carlos Slim).

Gründung neuer Parteien

Ein Jahr nach dem Wahlbetrug bildete sich die „Partei der demokratischen Revolution“ (PRD) heraus. 1991 dann die „Partei der Arbeit“ (PT) und 1997 die Convergencia. Diese drei Parteien sind derzeit die einzigen linken Parteien von Bedeutung und haben bis 2006 in einem Wahlbündnis alle Wahlen bestritten.

Nach den Präsidentschaftswahlen 2006, in denen der linke Kandidat Lopez Obrador (meist abgekürzt nur AMLO genannt) knapp unterlag, gab es Streit innerhalb der PRD und auch zwischen den Parteien, welche Strategie verfolgt werden solle. Zudem ist bis heute nicht geklärt, ob auch diese Wahlen, diesmal allerdings, von der rechten Regierungspartei PAN (Partei der nationalen Aktion), gefälscht wurden. AMLO nennt sich seit dem selbst auch legitimer Präsident (presidente legitimo) Mexikos. Zur Parlamentswahl im letzten Jahr wurde dann nach internen Querelen und dem Sieg eines rechts-sozialdemokratischen Kurses in der PRD, getrennt zur Wahlurne geschritten. AMLO mit der PT und Convergencia und die PRD alleine. Natürlich führte dies eher zu einer Schwächung, im Wahlergebnis wie in der Popularität. Als Sieger ging die PRI hervor.

Derzeitige Probleme

Was sind die Gründe für das Absacken der linken Kräfte auf einen abgeschlagenen dritten Platz? Wieso können sie nicht an Boden gewinnen obwohl die mexikanische Geschichte eine durch und durch linke Historie aufweist? Die Gründe sind vor allem darin zu finden, dass sie es als Partei/ Parteien nicht geschafft haben, das mexikanische System der Vetternwirtschaft und Korruption effektiv zu bekämpfen oder wenigstens als gutes Beispiel selbst voranzugehen. So gab es 2004 einen Korruptionsskandal (videoescándalo) in der Regierung von AMLO im Bundesdistrikt, der extrem an der Glaubwürdigkeit der Partei rüttelte. Es tauchten Videos auf, auf denen u.a. der Finanzminister der Landeshauptstadt, der Stadtratsfraktionschef und der Verwaltungschef der Delegation Tlapan (Ehemann der Umweltministerin von Mexiko- Stadt). Außerdem waren mehrere Gouverneure in Skandale verwickelt. So gab es auch unter der PRD- Regierung im Bundesstaat Guerrero Killerkommandos, die Jagd auf indigene Führer machte.

Letztendlich darf man auch nicht vergessen, dass sich die Mehrheit der PRD aus dem linken Flügel der PRI 1989 abgetrennt hatte, da sie seit Präsident de la Madrid (1982-1988) keine linke Linie mehr sahen und die PRI ihrer Ansicht nach zu stark nach rechts gerückt war. Es ist also kein ureignes linkes Problem, sondern vielmehr ein Mexikanisches. Laut Transparency International wurden 2005 allein 1,5 Mrd. Euro Schmiergelder im zivilen Bereich gezahlt. Da fehlen noch die Schmiergelder in Wirtschaft und Politik. Die Glaubwürdigkeit die die Linke in Mexiko noch vor 10 Jahren hatte, ist aufgebraucht und verspielt. Auch AMLO hat extrem darunter gelitten und sich auch selbst die Finger schmutzig gemacht. Davon zeugen die vorher genannten Korruptionsskandale und andere Verbrechen, die auch von linksorientierten Regionalregierungen begangen wurden. Auch der Versuch AMLOs ein „Volksfront“ gegen die Privatisierung der Ölwirtschaft war bisher nicht erfolgreich, bezeichnend hier, dass Abgeordnete der PRD auch für eine Privatisierung stimmten.

Die rechts-sozialdemokratische PRI wird höchstwahrscheinlich die Präsidentschaft 2012 gewinnen. In den diesjährigen Regionalwahlen verbündete sich die PRD und teilweise auch die PT und Convergencia mit der rechtskonservativen PAN um noch Chancen auf Gouverneursposten zu haben. Dabei gingen jedoch neun Ämter an die PRI und lediglich drei Gouverneursämter an das Wahlbündnis von PAN und PRD. Obwohl es Sinn machen kann, sich gegen die alte Staatspartei, die ihre verstaubten Programme und Politik fortsetzen möchte, zu stellen, wirken sie kaum glaubwürdig und erscheinen als bloße Machtstrategie.

An Zustimmung mussten sie auch im zivilgesellschaftlichen Sektor einbüßen. Indigene Gruppen (wie z.B. die EZLN oder in San Juan Copala/ Oaxaca) sind grundsätzlich kritisch gegenüber Parteien eingestellt, da sie keine positiven Erfahrungen sammeln konnten. Die Gewerkschaften sind zum großen Teil in Händen der PRI (die derzeitige Vorsitzende ist zugleich auch Präsidentin einer der wichtigsten Gewerkschaften des Landes). Umweltverbände oder feministische Gruppierungen haben kaum Einfluss oder werden von staatlichen Stellen in Alibi- Form vereinnahmt, dasselbe geschieht im Bereich von Menschenrechten, etc. Es sieht also derzeit eher schlecht für einen Gewinn an Einfluss einer funktionierenden Linken aus. Im Gegensatz zu fast allen Ländern in Lateinamerika ist Mexiko ein extrem schwieriges Terrain dafür und das obwohl die soziale Lage nicht schlechter sein könnte. Es muss sich zeigen, ob die parteipolitische Linke einen gemeinsamen, glaubwürdigen Kandidaten für die Präsidentschaftswahlen 2012 aufstellen können. Nicht nur nach dem Maya- Kalender wird dies ein Schicksalsjahr für die Menschen sein, auch politisch wird es spannend werden.

Der Bürgermeister holte erneut aus um etwas zu sagen, aber wusste scheinbar nicht die rechten Worte zu finden. “….äh…okay. Am Besten wir schauen, ob jemand fehlt und wenn nicht: geht doch bitte alle wieder zurück an eure Arbeit!” stammelte er. Alle schauten sich an. Manch einer ging im Kopf die Gesichter durch. Doch so richtig konnte keiner etwas entdecken. Pedro dachte sich, dass irgendwer fehlte. Er wusste es, konnte die Person aber nicht beim Namen nennen. Plötzlich hatte er eine Eingebung, einen Trieb, dem er nachgehen musste. Zu seinem Vater sagte er leise und unter vorgehaltener Hand: “ich komme gleich zur Arbeit, Padre, lass mich noch kurz etwas überprüfen”. Sein Vater, voller Vertrauen zu ihm, nickte nur und ließ ihn gewähren.
Pedro ging langsam los, um nicht auffällig zu wirken. Von der Hauptstraße aus ging er kurz vorm Ortsausgang nach links und dann rechts einen kleinen Trampelpfad entlang, der an einem Berg nach oben führte. Es war der Weg zum Mirador, ein kleiner Hügel, von dem aus man einen guten Blick über das Dorf und die Einfahrtswege hat. Im 19. Jahrhundert wurde es vor allem zum Ausspähen von kommenden Feinden genutzt, in einer Zeit in der seine Gemeinschaft auf der Flucht vorm Staat und repressiven Organen war, und sich hier oben in den Bergen eine neue Bleibe und Heimat erbauen konnte. Heute war es sehr beliebt von den Dorfbewohnern zum Entspannen und, wie Pedro hörte, um sich mit seiner Geliebten zu treffen und romantische Momente zu erleben. Außerdem können die Ausländer, die jetzt immer häufiger als Touristen hierherkommen, ein paar nette Momente verbringen. Pedro mochte den Platz um zu grübeln, seinen Geist fliegen zu lassen und an die Welt da draußen zu denken. Als er am Pfad, der nach oben führte ankam, begann er endlich zu rennen. Keuchend aber in sehr kurzer Zeit kam er oben an und blieb plötzlich mit offenem Mund stehen.

Dort lag eine Person, halbnackt auf dem Bauch liegend und dem Gesicht auf die Erde zeigend. Es war eine Frau, die ihm bekannt vorkam. Er bekam Angst, ist es Susana!? Die Tochter von Don Ignacio, dem Kaktusbauern, sie war es, die fehlte, als man sich beim Bürgermeister traf. Ihr Kleid war hochgezogen und ihre Unterwäsche lag ein paar Meter weiter weg. Die Beine voll von blauen Flecken und Blut. Er ging auf sie zu, langsam und zögernd, drehte dann mit all seinem Mut den Kopf um und erschrak vollends.

Der Tag begann wie so oft. Aufstehen, Zähne putzen, Gesicht waschen und dann ab die Tiere füttern. Jeden tag das gleiche Prozedere. Die Sonne war noch nicht aufgegangen, doch es dröhnte bereits Musik aus den, im Dorf verteilten, Boxen des Bürgermeisters. Zwischen den Liedern machte er Bekanntmachungen jeglicher Art. Heute fällt der Sportunterricht in der Grundschule aus oder es wird ein schöner sonniger Tag. Pedro war ganz guter Laune, im Gedanken erinnerte er sich ans Wochenende und an den baile, wo er endlich das erste Mal mit Maria getanzt hatte. Es kostete ihn soviel Überwindung, da er dieses Mädchen nie richtig einschätzen konnte und nie wusste, ob sie irgendetwas, und wenn es auch nur das geringste wäre, für ihn empfand. Aber Samstagabend traute er sich und sie sagte ja. In dieser Nacht war er der Glücklichste Teenager im Dorf. Als sie tanzten spürte er alle Blicke auf sie gezogen. Die Frauen, da sie anscheinend mehr wussten als er und die Männer zum Teil aus Eifersucht und zum Teil mit einem Lachen im Gesicht, lachend über die Unbeholfenheit Pedros. Aber das war ihm jetzt auch egal. Sollten sie doch lachen, am Ende hat er es geschafft. Das allein zählte.
Als er in den Stall zu den Hühnern kam, schlich ein ungutes Gefühl in ihm hoch. Er wusste nicht genau was es war. Doch die Tiere schienen aufgewühlt und unruhig, so als ob irgend etwas geschehen war. Er beeilte sich mit dem Füttern, kippte dabei mehrfach den Eimer vor Erregung um und rannte dann schnell hinaus.
Er war nicht der Einzige, dem etwas aufgefallen war. Hier in den Bergen Oaxacas lebte man mit der Natur und man verstand es sie zu lesen. Und alle wussten, wenn die Tiere unruhig sind, dann muss etwas gewesen sein. So traf Pedro bereits mehrere Bewohner am Haus de Bürgermeisters vor. Der selbst nicht genau wusste was tun.
“Liebe Companeros, ja irgendetwas scheint vorgefallen zu sein, aber nein ich habe keine Ahnung was. Wir sollten erst einmal Ruhe bewahren und alle befragen, um sicher zu gehen. Hat von euch jemand etwas erfahren?” fragte der Bürgermeister, sichtlich überrannt, in die Runde.
Keiner antwortete. Pedro machte seinen Vater in der Menschentraube war und ging auf ihn zu. “Vater, die Hühner…” “Ja, ich weiß mein Sohn. Mir haben es die Hunde und die Bäume gesagt.” unterbrach ihn sein Vater leise.

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